Böse Mädchen 5

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Böse Mädchen 5

Nur für Erwachsene.

Nachdem der Kampf der Ukemons entschieden ist, herrscht erst einmal wieder Ruhe und Frieden. Da tritt Aiko dann mit einem doch recht ungewöhnlichen Wunsch an Kira heran…

Gleichzeitig wird Evil Ninas Untergebener Derda Dingenskirchen gefeuert.
Um sich doch noch bei seiner Meisterin bewähren zu können, wagt er ein gefährliches Unterfangen. Er schnappt sich Petra und bietet sie den Mädels der Helena Sobre Schule gegen den Zauberstab zum Tausch an. Doch den Zauberstab dürfen die Mädchen nicht so ohne weiteres abgeben und so kommt es zu einem alles entscheidenden Kampf…

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InfoISBN 978-3-940791-65-8
 
ProtoType (Autor, Zeichner)
 
Titel: Böse Mädchen 5
Hierachie: Band 5 von 5
Release: Sept. 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Erwachsene ab 18 Jahren


Böse Mädchen 4

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Böse Mädchen 4

Nur für Erwachsene.

Maike sucht eine Freizeitbeschäftigung an der Schule. Am liebsten wäre ihr da eine AG mit Kampfsport. Daher will sie von Candy wissen welche Clubs oder Arbeitsgemeinschaften es an der Schule gibt. Da fällt Candy eigentlich nur ein ganz besonderer Club ein.
Währenddessen schlagen sich Kira und Aiko mit Razor herum, die frisch aus der Dämonenwelt gekommen ist und den Zauberstab verlangt.
Doch Elly hat da jemanden kennengelernt, der dem Problem Abhilfe schaffen könnte.
Und dann ist da noch ein dämonisches Cat-Girl und ihre noch dämonischeren Ukemons…

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InfoISBN 978-3-940791-64-1
 
ProtoType (Autor, Zeichner)
 
Titel: Böse Mädchen 4
Hierachie: Band 4 von 5
Release: März 2009 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Erwachsene ab 18 Jahren


Böse Mädchen 3

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Böse Mädchen 3

Nur für Erwachsene.

Maike sucht eine Freizeitbeschäftigung an der Schule. Am liebsten wäre ihr da eine AG mit Kampfsport. Daher will sie von Candy wissen welche Clubs oder Arbeitsgemeinschaften es an der Schule gibt. Da fällt Candy eigentlich nur ein ganz besonderer Club ein.
Währenddessen schlagen sich Kira und Aiko mit Razor herum, die frisch aus der Dämonenwelt gekommen ist und den Zauberstab verlangt.
Doch Elly hat da jemanden kennengelernt, der dem Problem Abhilfe schaffen könnte.
Und dann ist da noch ein dämonisches Cat-Girl und ihre noch dämonischeren Ukemons…

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InfoISBN 978-3-940791-63-4
 
ProtoType (Autor, Zeichner)
 
Titel: Böse Mädchen 3
Hierachie: Band 3 von 5
Release: März 2009 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Erwachsene ab 18 Jahren


Böse Mädchen 2

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Böse Mädchen 2

Nur für Erwachsene.

Die Mädchen der Helena Sobra Schule für Mädchen haben die geheimnisvolle Rubber aus einem seltsamen Buch entfesselt und es wurde ihnen ein Zauberstab versprochen.
Allerdings stehen die Mädchen Kira und Elly nun vor einigen skurrilen Prüfungen, die sie leicht bekleidet bestehen müssen.
Zu Hilfe eilte ihnen Dildoman, dessen Identität noch einige Geheimnisse birgt.
Werden die Mädchen ihren Zauberstab erhalten?
Und wird es ihnen möglich sein, mit dessen Hilfe wirklich alle ihre Wünsche zu erfüllen? Und wie unanständig wird wohl Ellys Wunsch ausfallen?

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InfoISBN 978-3-940791-62-7
 
ProtoType (Autor, Zeichner)
 
Titel: Böse Mädchen 2
Hierachie: Band 2 von 5
Release: Jan. 2008, Neuauflage Sept. 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Erwachsene ab 18 Jahren


Böse Mädchen 1

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Böse Mädchen 1

Nur für Erwachsene.

Kira kommt an eine neue Schule, die Helena Sobre Schule für Mädchen, die inoffiziell einfach nur “der Schlampenknast” genannt wird, weil dort Mädchen hingeschickt werden, die besonders unanständig waren. Dort trifft Kira auf Mara, deren besonders unanständige Schwester Elly, Aiko, Maike und weitere Mädchen.

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InfoISBN 978-3-940791-61-0
 
ProtoType (Autor, Zeichner)
 
Titel: Böse Mädchen 1
Hierachie: Band 1 von 5
Release: Jan. 2008, Neuauflage Sept. 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Erwachsene ab 18 Jahren


Holy Blasphemy 1

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Holy Blasphemy I

1. Auflage | Leseprobe (PDF)

Was geschah mit unseren Geistern im 21. Jahrhundert?
Sind die Spukgestalten dem Sieg der Technologie gewichen?
Oder lauern sie in finsteren Ecken auf uns?

Der junge Privatermittler Gabriel Cortéz Velasquèz glaubt das nicht, zumindest bis ihm Eleven begegnet. Auf den ersten Blick scheint sie ein völlig normales Mädchen zu sein, allerdings ist sie bereits seit 3 Jahren tot. Was verbindet diese beiden miteinander? Und was hat das alles mit den merkwürdigen Vorkommnissen in der Stadt Los Arboles zu tun?

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InfoISBN 978-3-940791-17-7
 
Sophie Kaldinski (Autorin, Zeichnerin)
Jasmin Klier (Co-Autorin)
 
Titel: Holy Blasphemy 01
Hierachie: Band 01 von 03
Release: 1. Aufl. März 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 148 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Comic
Zielgruppe: Jugendliche, junge Erwachsene
Leseprobe (PDF)


In deiner Gegenwart

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In deiner Gegenwart

1. Auflage | Leseprobe (PDF)

Anna ist eine attraktive Frau, die ihr Volontariat beginnt. Zusammen mit der besten Freundin bewohnt sie endlich ihre eigenen vier Wände. Doch was wie ein schönes Leben als junger Erwachsener klingt, ist in Wahrheit mit großen Problemen verbunden: Täglich wird Anna von ihrem Chef gemobbt. Als wäre das nicht schon genug, führt ihre aufbrausende Art nicht nur zu Spannungen zu Hause, sondern auch zu weit gefährlicheren Konflikten. Anna begegnet Mark. Und es dauert nicht lange, bis sie sich wünscht, ihn nie getroffen zu haben…
 

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InfoISBN 978-3-940791-07-8

André Linke (Autorin)
Verena Achenbach (Illustratorin)

Titel: In deiner Gegenwart
Reihe: Bände in sich abgeschlossen. Anzahl offen.
Release: 1. Aufl. März 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 146 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Novel
Genre: Erzählende Literatur, Drama, Erotik
Zielgruppe: Jugendliche, junge Erwachsene

Bei IN DEINER GEGENWART handelt es sich um eine eine Erotik-Geschichte, bei der es nicht um direkt geschilderte Sex-Szenen, dafür aber um gekonnt umschriebene intime Momente geht. Angesprochen wird damit die jugendliche bzw. junggebliebene Leserschaft, hauptsächlich junge Frauen; der Text ist für die vielen Anhänger von Anime und Manga gedacht.
Im Vordergrund steht dabei das zeitlos beliebte Bild vom “dominanten Schönling” und der “schüchternen Augenweide”, wie es oft in erfolgreichen Werken der breitgefächerten Gattung “Shojo” zu finden ist. Tiefgang bekommt die Geschichte durch die Beschäftigung mit der Selbstfindung der Figuren: Wo liegt die Grenze zwischen Liebe und Wahnsinn, zwischen Sehnsucht und Schmerz, zwischen Aufdringlichkeit und Stalking? Im Laufe der Geschichte finden die zwei Hauptpersonen heraus, wo Moral aufhört und Verbrechen anfängt, und was sie eigentlich wollen. Der Leser fiebert bei der spannenden, erotischen Liebesgeschichte mit. Charakterzüge und Dialoge orientieren sich dabei stark an denen der japanischen Zeichenkunst, auch der jugendliche Erzählstil richtet sich an die Zielgruppe.

LeseprobeDunkel war es in dem Raum. Dunkel und lautlos. Als wäre es ein Abgrund gewesen. Windstill, kalt und dünn fühlte sich die Luft hier an. Eine gewisse Distanz bringen Nebenzimmer von Natur aus mit sich, fand Anna. Dass sich gerade noch eine feiernde Menge um sie getummelt hatte, verstärkte die Wirkung. Der eben noch spürbare Lärm hatte sich in das Rauschen der Stille verwandelt. Im großen Saal ging das Fest munter weiter. Aber hier, in dem kühlen Bürozimmer, das dunkelbraun glänzte und nach den edlen Ledermöbeln roch, hier fand Anna endlich Ruhe. Für kurze Zeit wollte sie alleine sein. Sie wollte durchatmen, in der Hoffnung, dadurch die Wut zu verdrängen.
‘Warum klopft mein Herz so schnell? Hübsche Männer sehe ich ständig… Unverschämte erst recht.’
Anna verstand die Welt nicht mehr. Ihre eigene Welt, in der sonst alles seinen Platz zu haben pflegte. Sie hoffte, dass sich ihr Kreislauf beruhigen sollte, würde sie sich nur oft genug sagen, dass dieser Mark nichts besonderes, gar abstoßend wäre. Stark und schön war er zweifellos. Sein Charakter allerdings ließ offensichtlich zu wünschen übrig, und genau darauf musste Anna sich jetzt konzentrieren, wollte sie nicht den Verstand verlieren. Auch mochte sie ihre beste Freundin nicht noch einmal grundlos anschnauzen. Das durfte sich nicht wiederholen. Es musste aufhören. Sofort.
Als hätte sie zu jemand anderem als sich selbst geredet, fuchtelte Anna mit den Händen herum. ‘Geht es hier gerade um Kara, oder um Mark? Um beide? Na, wer ist wohl wichtiger?’ Sie war sich aber nicht mehr sicher. ‘Erstmal geht es um mich’, dachte sie dann.
Zaghaft trat die junge Frau weiter in den Raum hinein. Sie fühlte sich wohl in dem Zimmer, doch es gehörte nicht ihr. Es gehörte dem Vater von Joshua. Dem Vater eines Bekannten, der im Elternhaus gerade eine riesige, unpersönliche Party schmiss. Dieser flüchtige Freund… Anna konnte nicht sagen, woher sie ihn überhaupt kannte. Irgendwann war er da gewesen, als kleiner Teil ihres Lebens. Seitdem machte er ab und zu mit Kara rum. Joshua war in Ordnung. Er war ein Draufgänger, doch er tat niemandem weh. Nicht soweit Anna wusste. Nein, eigentlich war dieser Bekannter Joshua okay. Er war nur ausgerechnet der beste Freund von Mark.
Anna entglitt ein tiefer Seufzer, als dadurch Mark in ihre Gedanken zurückfand. Nicht, weil sie ins Schwärmen geriet. Vielmehr musste sie feststellen, dass sie es für keine einzige Minute ausgehalten hatte, nicht an den schönen Fremden zu denken. Obwohl sie sich genau das vorgenommen hatte. Oder gerade deswegen.
“Oh Gott!”, rief sie vor Entsetzen über sich selbst. Sie schlug die Hände vor den Kopf, um sich darin zu vergraben. Schließlich seufze sie erneut, diesmal lauter.
“Klingt es immer so, wenn du stöhnst?“, hörte sie eine Männerstimme fragen.
Anna erschrak.
Abgesehen davon, dass ein Fremder anmaßend zu ihr gesprochen hatte, hörte es sich an, als würde er sich direkt hinter ihr befinden. Ganz nah. Anna nahm an, Gespenster zu sehen, als sie sogar seinen warmen Atem im Nacken zu spüren meinte.
„Hm, was?!“ Sie drehte sich um.
Dabei hätte sie den Mann fast geschlagen, so nahe war er an sie herangetreten. Gekonnt machte er einen Satz nach hinten, bevor sie ihn mit dem in der Bewegung ausholenden Arm hätte treffen können. Ein paar Schritte noch ging er rückwärts, ohne den Blick von ihr abzuwenden. Ohne eine deutbare Mimik zu zeigen. Nun stand er im dunklen Türrahmen des noch dunkleren Zimmers. Die eine Hand war in die Hosentasche gesteckt, die andere an den Rahmen gelehnt. Annas Schock fand seinen Höhepunkt, als sie erkannte, dass es niemand anderes als Mark war, der vor ihr stand. Ausgerechnet er. Ausgerechnet jetzt. Ausgerechnet hier. Ausgerechnet überhaupt. Und was hatte er da eben gesagt?
„Was…“ Anna musste sich besinnen. Sie durfte sich nichts anmerken lassen. „Du hier? Was…“ Sie brauchte eine Weile. „Was willst du?!“, fragte sie letztendlich zornig.
Anna wollte ihn schnell loswerden. Jede Sekunde in Anwesenheit dieses Mannes schien gefährlich. Seine Gegenwart machte sie verrückt und genervt zugleich – eben wahnsinnig. Doch wenn er oder jemand anderes davon erfahren hätte… niemals hätte Anna sich das verzeihen können. Nun sah er sie hier, zurückgezogen und ganz allein auf der coolsten Party des Monats. Nicht einmal ihre beste Freundin war jetzt noch bei ihr. Sie mochte gar nicht daran denken, wie das für ihn aussehen musste.
Die Unsicherheit breitete sich weiter aus. Ein Grund mehr, abweisend zu werden. Verletzen oder verletzt werden, lautete die Devise, die Anna als Kind eingetrichtert worden war. Ein für die junge Frau durchaus plausibles Lebensmotto, welches ihrer Ansicht nach schmerzfreie Jahre versprach.
Dennoch hielt Anna es für klug, einen durchtrainierten fremden Mann nicht unnötig zu verärgern. Darum wiederholte sie ihre unfreundliche Frage nicht, sondern wartete ab. Mark wirkte leicht reizbar. So wie Anna, und doch auf seine eigene Weise. Die Frau wollte es nicht riskieren, schon wieder angegriffen zu werden. Die vier Lüstlinge von neulich hatten ihr gereicht.
Anna wartete ab. Mit jeder Sekunde, die verstrich, verlor sie an Selbstbewusstsein. Sie war sich nicht sicher, wie sie sich geben sollte. Welchen Blick sie aufsetzen sollte. Sie wünschte, er würde nur irgendetwas antworten und gehen. Einfach gehen. Jetzt. Für immer.
Mark aber stand still. Weder regte er den Körper, noch legte er einen Gesichtsausdruck an den Tag, der Anna hätte weiterhelfen können. Einzig allein den durchbohrenden Blick behielt er. Die klaren Augen schienen tief in sie vorzudringen. So fühlte es sich für sie an. Unter anderen Umständen hätte er sie damit fesseln können. Ein Liebhaber mit solchen Augen und solch einem Blick hätte sie zutiefst erregt. Bei Mark hingegen wirkte das Schauspiel musternd und wertend. Das gefiel Anna nicht.
Es machte sie nervös. Doch Mark blieb still. Keine Bewegung, kein Wort.
Der jungen Frau wurde das allmählich zu viel. Sie begann an ihren zarten Fingern zu spielen.
‘Was passiert hier?’, fragte sie sich. ‘Hat er mich gerade wirklich nach meinem Stöhnen gefragt?’
Schon immer hatte Annas sanfte, ruhige Stimme auf Männer jeden Alters anziehend gewirkt. Erst recht taten es ihre lustvollen Ausrufe. Sie bezweifelte jedoch, dass es Mark wirklich darum ging. Nur zu gut konnte sie sich vorstellen, dass er bei der Bemerkung gegrinst hatte. Dass er sie heimlich ausgelacht hatte, als er hinter ihr gestanden hatte. Anna wusste nicht viel, aber sie war sich sicher, ihm ging es darum, sie zu hassen. Oder einfach zu ärgern. Womit er ihr mehr Bedeutung zusprechen würde, als sie erwartet hätte. Überfordert von den eigenen Gedanken begann sie an einer ihrer Locke zu drehen.
Ein paar Mal zog sie an ihrem Haar, bis Mark die Spannung endlich löste, indem er etwas von sich gab, das die Spannung allerdings gleich danach wieder fest anzog.
„Du hast mich schon verstanden, oder nicht?“
Für Anna fühlte es sich an, als hätte ihr jemand einen Stein an den Kopf geworfen. Sie konnte nicht anders, als erneut nachzufragen. „Wie bitte?!“
Plötzlich verließ Mark den Türrahmen und ging einen Schritt auf sie zu. „Du brauchst dich doch nicht zu schämen. Klang niedlich, dein Stöhnen.“
‘Was ist niedlich, hm? Was? Was willst du? Was soll die Scheiße? Verdammt nochmal!’ In Annas Kopf war viel los. Sie konnte nicht sagen, ob sie genervt, verwirrt oder wütend sein sollte. Klar war ihr bloß: Schmeicheln wollte er ihr nicht. Ganz sicher nicht.
„Was soll das, hä?!“, meinte sie schließlich, nachdem sie sich selbstsicherer hingestellt hatte. „Du redest komisches Zeug. Geh wen anders nerven.“ Sie achtete darauf, es laut und abwertend herüberzubringen. Er sollte schleunigst von hier verschwinden.
Die Masche funktionierte insofern, dass Mark defensiv die Hände hob. „Hey, ganz ruhig, ja?“ Er wagte einen nächsten, kleineren Schritt Richtung Anna. „War doch nur Spaß.“
Sie zeigte ein aufgesetztes Lächeln. „Ja, sehr witzig…“
„Reden wir lieber über was anderes“, hieß es mit einem Mal von ihm. Ihre offensive Art konnte ihn anscheinend nicht beirren.
Anna schaute auf.
Er fuhr fort: „Du schuldest mir immer noch eine Erklärung. Und dem Jungen eine Entschuldigung.“
Anna verdrehte die Augen so, dass er es sehen konnte. „Meine Güte, das Thema also wieder?! Vergiss es!“
„Sicher?“
„Ja.“
„Ich soll’s vergessen, Anna?“
„Ja, Mann!“
Mark zeigte Unverständnis. „Was bist du denn so zickig?“ Er konnte genauso abwertend sein wie sie.
Wenn Anna eins hasste, dann war es, ‘zickig’ genannt zu werden. Weil es in den meisten Fällen stimmte.
Vor lauter Empörung blieb Anna stumm.
„Beruhig dich einfach“, meinte er daraufhin in sanftem Ton, „Ist doch alles gut.“
‘Gut? Alles ist gut? Was ist gut?’ Sie ging einen Schritt zurück.
Ihr grimmiger Ausdruck war erschlafft. Zurückgeblieben war ein Gesicht der Unsicherheit. Anna hatte Angst. Angst vor dem, was Mark ihr noch alles sagen wollte in diesem Raum. Vielleicht waren sie beide müde. Vermutlich waren sie erschöpft. Womöglich hatte einer von ihnen heute zu viele Cocktails zu sich genommen. Ihrer Meinung nach war es definitiv dieser unverschämte Herr gewesen.
„Du sprichst wirr daher“, sagte sie schließlich wieder.
„Ach, tu ich das?“ Er grinste. Als wäre es nur ein Spiel.
„J-Ja… Ja schon.“ Sie murmelte es mit zittriger Stimme.
Darauf konzentriert, ihm zu folgen und zu kontern, bemerkte Anna nicht, dass Mark sich ihr weiter näherte. Achtete sie mal nicht auf die Worte, die seinen Mund verließen, verlor sie sich in dem atemberaubenden Anblick, den er ihr bot. Selbst die Art und Weise, wie sich seine feinen Lippen bewegten, fand sie anziehend.
Ob er wusste, wie schön er war? Ob es ihm wichtig war, gut auszusehen? Ob er gerne umschwärmt wurde? Ob er oberflächlich war? Ob er deswegen viel trainierte? Ob er sie gerne verunsichert sah?
Wieder war es passiert: Anna war abgedriftet, hin zu positiven Empfindungen für ihn. Während er vor ihr stand und sie auch noch mit seltsamen Sätzen kirre werden ließ.
Sie hasste es, sich Schwächen eingestehen zu müssen. Sie war doch stark. Unnahbar. Schwer beeindruckbar war sie. Eigentlich. Annas Vorhaben hatte darin bestanden, die Zuneigung zu vertuschen. Doch die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, Zuneigung aufzubauen, ließ sie nicht mehr los.
„Tu ich das?“, wiederholte Mark flüsternd und sah ihr in die Augen. Er spitzte die Lippen, ganz leicht. Die Augen waren halb geschlossen. „Spreche ich wirr daher?“
Erst jetzt, da er leiser geworden war, bemerkte Anna, dass er direkt vor ihr stand. Wie nah er ihr gekommen war. Wieder einmal. Diesmal frontal. Da war er wieder, der warme Atem. Der durchdringende Blick. Die Nähe, die sie erschaudern ließ.
Ein kaum hörbarer Seufzer war alles, was Anna von sich gab. Wie gelähmt war sie. Von der Kälte des Zimmers war nichts mehr zu spüren. Anna war heiß geworden. Es fühlte sich schrecklich an.
Im nächsten Moment war Mark ihr so nahe, dass er nach einer ihrer langen Locken greifen und damit spielen konnte. Er streifte ihr eine Strähne aus dem Gesicht und fuhr ihr durch das dicke Haar. Ganz langsam, mit Genuss. Für keine Sekunde unterbrach er den Blickkontakt, der Anna gefesselt hielt. Mark deutete ein Lächeln an. Ihr schnürte es die Kehle zu. Da hatte sie endlich eine Mimik von ihm entdeckt. Aber was für eine? Nicht zu wissen, ob er mit ihr spielte oder gar auf sie herabsah – das war grausam für sie. Weil es um Mark ging.

Das nächste, was Anna wahrnahm, war seine Hand auf ihrer Wange. Er war dabei, sie anzufassen. Sie festzuhalten. Wie bei der ersten Bewegung für einen Kuss.
„Hey“, sagte sie und wich zurück. Bei dem Körperkontakt besann sie sich. Er hatte die Grenze überschritten.
Weit kam sie allerdings nicht. Längst hatte er sie an den Hüften gepackt. Geistesgegenwärtig festigte er den Griff sofort, als er den Fluchtversuch bemerkte. Dadurch war der Versuch zum Scheitern verurteilt, ehe er wirklich begann.
Anna presste sich weg, doch es half nichts. Sie war eine normal gebaute Frau ohne Fitness, er dagegen stark und bestimmend. Das nutzte er aus. Es schien, als wüsste er genau, was er will. Obwohl sie schimpfte und tobte, ließ er nicht locker. Sie gegen ihren Willen zu berühren, sogar festzuhalten, störte ihn nicht. Mark beging damit eine Straftat. Ihm war es egal. Scheinbar wollte er es so.
‘Warum nur, warum?’, schoss es der Gefangenen durch den Kopf. ‘Was geschieht mit mir?’
Es gelang ihr, den Kopf wegzudrehen und sich hinter ihren Locken zu verstecken. Mark ging die Sache härter an. Für einen kurzen Augenblick rüttelte er sie leicht, damit sie ihren Blick wieder auf ihn richtete.
Mit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an. Da packte er sie mit der einen Hand an der Schulter – die andere blieb um ihre Hüfte geklammert. Der zügige Griffwechsel ermöglichte es ihr nicht, die Gelegenheit zu nutzen und zu fliehen. Mark war schnell. Stark. Dominant. Zu gut für Anna. Weit überlegen. Ein Grund mehr für sie, sich zu fragen, was er wollte. Und warum er es sich auf diese Art holen musste. Hätte er sie nicht harmloser verletzen können? Konnte er sie nicht einfach beleidigen und gehen? Weshalb schenkte er ihr überhaupt Beachtung? Warum hier, wo sie doch offensichtlich ungestört sein wollte? ‘Ungestört’ war vielleicht das richtige Stichwort.
‘Ist er ein Lustmolch? Ein Trophäensammler, der die will, die er nicht haben kann?’
„Oh Gott…“, kam aus der geschwächten Frau heraus. Diesmal nicht, weil sie nachdachte.
Denken konnte Anna nicht mehr. Mark hatte sie soeben am Hals berührt. Erst war es ein sanftes Streicheln mit dem Zeigefinger gewesen. Jetzt liebkoste er sie an selber Stelle mit diesen schmalen, warmen Lippen.
„Hör… Hör auf…“, sagte sie leise, fast wimmernd.
Sie war nicht in der Lage, sich zu bewegen, geschweige denn ihn anzusehen. Sie schämte sich für das, was gerade passierte. Dass er sie verletzlich erleben durfte. Dennoch konnte sie sich nicht wehren. Hätte er sie nicht festgehalten, so hätte sie immer noch der Schock gelähmt. Anna war nicht nur überfordert, sie war überwältigt. Von Gefühlen und Erlebnissen, Sehnsüchten und Ängsten zugleich. Vor ihren Augen spielte sich eine Lichtshow ab, die nur sie sah.
Dem Mann entglitten beim Liebkosen sanfte Laute – als Gegensatz zu seiner fordernden Position. Mit Leichtigkeit nahm er sie ein. Ganz für sich. Bei den nächsten Liebkosungen kam die Zunge mit ins Spiel.
Sie rief: „Mark! Nein! Ah, Mark!“
„Ja. Sag ruhig meinen Namen.“ Er blieb leise. „Das gefällt mir.“ Mark grinste kurz.
„Nein! Ah, nein… Lass das! Geh weg von mir!“
Sie versuchte sich loszureißen. Es war zu spät. Er hatte es getan. Am Kinn hatte er sie gepackt, an sich herangezogen und geküsst. Auf den Mund. Seine Lippen auf ihren. Fest presste er sie an sich heran, die Augen geschlossen, das Gesicht gewohnt ausdruckslos. Anna hingegen starrte geradeaus und gab gequälte Geräusche von sich.
Um sie besser halten zu können, fasste Mark ihr an den Hinterkopf. Anna wollte etwas sagen. Irgendetwas schimpfen. Fordern, dass er loslässt. Mark nutzte die Gelegenheit, die sich dadurch bot, und steckte seine Zunge in ihren geöffneten Mund.
Anna riss die Augen weiter auf. Ihr Gesicht verzerrte sich, so weit es ihr bei diesem Kuss nur möglich war. Sie fühlte einen Wechsel aus Überraschung, Ekel und Furcht.
‘Mit der Zunge? Hat er denn gar keine Skrupel?’ Sie konnte nicht fassen, wie weit er ging, bloß um sie zu kränken – war ein Zungenkuss doch zu intim für einen Streich.
„Zier dich nicht.“
Als er das sagte, schnappte sie nach Luft. Ehe sie sich wieder fassen konnte, war er auch schon wieder drin. Das feuchte Spiel sollte noch nicht zu Ende sein.
Wieder machte sie Geräusche. Sie wurden länger, lauter. Ein neues Empfinden kam hinzu: Gefallen. Anna gefiel, was er da machte. Wie er es machte. Anna gefiel Mark. In diesem Moment. Sie fragte sich, ob er ähnlich für sie empfand. Laut ihrer neuesten Hoffnung war es mehr als nur ein Spiel. Für eine Albernheit zeigte er zu viel Einsatz – davon war sie nun überzeugt. Fest stand: Küssen, das konnte er. Das konnte er richtig gut. Anna spürte ein Kribbeln, das sich zu größerer Unvernunft zu entwickeln drohte.
Einmal noch sagte sie seinen Namen – leise und unterwürfig zart. Es war soweit. Sie war ihm verfallen. Nun sah sie keine Chance mehr, zu entkommen. Anna gab auf, gab sich hin. Darum entspannte sich ihr Körper plötzlich. Sie fasste ihm an die Ellenbogen und krallte sich daran fest. Damit erwiderte sie seine Geste. Annas Zunge brachte neue Bewegung ins Spiel. Sekunden später wagte sie es, mit der Handfläche über seinen harten Oberarm zu fahren. Wie stark er doch war…
Aber so plötzlich wie sie sich ergeben hatte, so schlagartig änderte Mark dann seine Stellung. Er lockerte den Griff, ließ sie schließlich los und drückte sie sanft nach hinten. Der Kuss war vorbei. Mark hatte es ihr damit höflich, aber direkt zu verstehen gegeben.
Anna atmete durch. Dabei sah sie ihn erschrocken an. ‘Oh Mann, was kommt jetzt?’
Doch es kam nichts. Mark stand einfach da. Zwar sah er sie immer noch an, aber Anna konnte nicht heraussehen, was er dabei dachte. So blieb die Erwartung hoch. Sie wollte warten, sehen, was als nächstes kam. Sie wollte nicht weglaufen oder schreien. Sie wartete ab. Vielleicht würde er sie nochmal küssen. Ein Teil von Anna hoffte das.

Auch Mark schnaufte einmal durch. Anna deutete es als Mischung aus Erregung und Erschöpfung. Schließlich hatte sie es ihm nicht gerade leicht gemacht, die Szene geschehen zu lassen. Es war anzunehmen, dass es ihn körperlich beansprucht, aber auch angemacht hatte.
„Also doch“, sagte er auf einmal. Das Flüstern war verschwunden, die normale Lautstärke zurückgekehrt. „So klingt es, wenn du stöhnst.“
Anna zuckte zusammen. „Hm?“
Er hatte es matt gesagt. Stumpf. Anteilnahmslos. Für sie klang es sogar… unbeeindruckt.
Sie zog die eine Augenbraue hoch. „Wie?!“
„Tja, na ja“, kam bloß von Mark.
Sie wiederholte: „Was, bitte?!“ Dabei ging sie einen halben Meter auf ihn zu. Mit prüfendem Blick. Die selbstsichere, herabsehende Anna war wieder da. Kurz: Die Zicke.
Mark steckte beide Hände zurück in die Hosentaschen seiner Jeans. „Was denn?“ Längst hatte er sich von ihr abgewandt. Zur Zeit beobachtete er den abgedunkelten Raum.
„Was soll das heißen?“, fragte sie laut. Anna wusste, dass sie unfreundlich wirkte. Sie war es für einen guten Zweck. Als Maßnahme. Aufgetragen vom hoheitlichen Selbstschutz. „Antworte!“
Ein jeder Mensch trägt Scharen von Gegensätzen in sich. So auch Mark. Auch Anna. Sie war wieder die Alte. Als wäre die Szene von eben nur ein Aussetzer gewesen. Wahrlich eine Ausnahmesituation. Ein Ausrutscher, über den man nicht weiter nachzudenken braucht.
Mark warf ihr ein leichtes Kopfnicken zu. „Bleib locker, ja? Was ist denn nun mit dem Jungen? Wirst du dich entschuldigen?“
Anna kochte vor Wut. Intuitiv ballte sich ihre Hand zu einer Faust. Sie zitterte am ganzen Körper.
„Du…“ Sie pausierte, um sich zu sammeln. Der Zorn wurde nur noch größer. Sie knurrte: „Es war alles… nur gespielt?!“
Er fragte nach, was sie meine.
„Tu nicht so unschuldig! Ich hab dich durchschaut… Mark.“
„Hä, was? Ich…“
„Ach, halt die Klappe!“, unterbrach sie ihn. „Du bist widerlich… erbärmlich.“
Sie schrie in den Raum. Es musste raus. Nun ärgerte sie sich über sich selbst. ‘Ich dummes Ding!’
„Autsch“, gab er von sich. „So denkst du über mich? Ich bin widerlich?“
„Boah, lass endlich das Frage-Spielchen! Alle Spielchen!“ Stampfend ging sie dabei auf ihn zu.
Schlagen wollte sie ihn nicht. Sie wollte brüllen und um sich hauen. Sie wollte ihn beleidigen. Bis aufs Äußerste. Er sollte verletzt werden. Härter als sie gerade. Mark hatte es tatsächlich gewagt, Anna willenlos zu machen, um sie dann vor den Kopf zu stoßen. Er hatte sie blamiert. In einem intimen Moment, welcher nur vorgespielt gewesen war. Was für eine Schande für sie beide.
Wieder hob er die Hände, um sie zu beruhigen. Mit dieser Pose kannte er sich anscheinend aus. „Hey, hey! Komm runter.“
Kurz wartete er, bis er sich sicher war, dass sie still blieb und er wirklich sprechen durfte. „Ich geb zu,“, begann er, nachdem er seine Hände wieder gesenkt hatte, „dass die Sache aus dem Ruder gelaufen ist. Aber ich wollte…“
„Die Sache?! So nennst du das also?! Oh Mann!“
So schrill und krächzend wie sie hatte er noch keine Frau schimpfen gehört. Tatsächlich kannte er keine einzige, die ihre Gefühle im Wechsel dermaßen stark verbarg und zum Ausdruck brachte. Wäre sie eine völlig Fremde gewesen, hätte er glatt Angst bekommen können. Aber war sie das denn nicht – eine Fremde?
Erneut brachte er zum Ausdruck, dass er nicht verstand: „Also jetzt bist du diejenige, die wirres Zeug labert.“ Er blieb so ruhig und geduldig, wie es ihm nach diesem emotionalen Auftritt ihrerseits möglich war. „Wovon sprichst du eigentlich, Mädchen?“
Genauso ungern wie ‘zickig’ wurde Anna ‘Mädchen’ genannt. Besonders in so einer Situation von einem solchen frauenhassenden Casanova.
„Hmpf!“, machte sie.
Nun war Anna es, die an ihr Gegenüber herangetreten war, um ihm tief in die Augen zu sehen. Mark schien das ins Schwitzen zu bringen, denn er pustete sich selbst ins Gesicht, und damit einzelne dunkle Strähnen aus dem Blickfeld. Erst jetzt bemerkte Anna den Schweiß auf seiner Stirn. Anschließend registrierte sie die Ruhe in seinen Augen.
‘Will er vielleicht wirklich, dass ich mich beruhige?’
Wieder einmal hatte Mark es scheinbar geschafft, die 21-Jährige zu verunsichern, ohne bewusst etwas dafür getan zu haben. Und wieder einmal stand sie regungslos da.
Schließlich sagte er mit ruhiger Stimme: „Bitte entschuldige. Es musste sein.“
Das traf Anna wie ein Stich ins Herz. Sie verstand, dass er seine Schandtat dadurch gerade gestanden hatte. Es stimmte also: Mark hatte mit Anna gespielt, um sie bloßzustellen. Aus Rache für den kleinen Jungen – daran bestand für sie jetzt kein Zweifel mehr. Er fand also, es hatte einfach sein müssen.
Ohne weiter darüber nachzudenken, holte Anna aus, um ihm eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. Sie tat es also doch. Beim Aufprall knallte es einmal laut. In ihrer Wahrnehmung schien sich der Knall ewig hinzuziehen. Gut so. Er hatte es verdient.
Sogleich hielt Mark sich die Wange, denn es brannte fürchterlich. Mit Wucht war er getroffen worden. Doch er sagte erst keinen Ton.
Er starrte nur zu Boden, bis er noch einmal verlauten ließ, nur wesentlich leiser: „Bitte entschuldige.“
Ihr Gesicht verfinsterte sich, als sie meinte: „Was bist du? Ein selbsternannter Richter gegen Unhöflichkeit? Der Junge von der Straße hat mich doch längst vergessen!“
Einen letzten vorwurfsvollen Blick schenkte sie ihm noch. Dann drückte sie ihn weg, Schulter gegen Schulter, um das Zimmer zu verlassen. Mark gab sofort nach.
Keiner von ihnen drehte sich noch einmal zum anderen um. Niemand verlor ein Wort. Mark drehte den Kopf um einige Grad, wagte es jedoch nicht, ihr nachzusehen.
Auch wenn er es nur zu gern getan hätte. Er hatte es nicht anders verdient. Immer noch schmerzte die Stelle, an der er geschlagen worden war. Zu Recht.
Anna war auf dem Weg zurück zur Feier. Im Hauptsaal wollte sie sich verlieren. Die Menge sollte sie retten. Hier würde Mark es nicht wagen, sie noch einmal anzusprechen, geschweige denn anzufassen.
Eine Weile noch blieb er stehen, bis er sich umdrehte und durchatmete. Er blickte zum Türrahmen, welcher weiche Lichtstrahlen ins Zimmer fallen ließ. Kurz ging er das Erlebnis von eben noch einmal durch. Erst rieb er sich die Augen, anschließend fuhr er sich durchs ansatzweise verschwitzte Haar. Wieder schnaufte er. Mit gesenktem Kopf trottete er aus dem Zimmer. Lange hielt der Schwermut allerdings nicht an: Zurück beim Türrahmen verpasste er der Zimmerwand einen ordentlichen Hieb. Mark schrie. Er war verärgert.
‘Bitte entschuldige’, wiederholte er in Gedanken. ‘Entschuldige, Mädchen, dass ich nicht härter zu dir war. Hätte ich mich besser angestellt, wärst du mir nicht so leicht entwischt.’


alias Cynthia

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alias Cynthia

1. Auflage | Leseprobe (PDF)

Verkleidet als Escort-Lady Cynthia gerät Anwältin Sandra in die Kreise des Verbrechens und entdeckt eine Seite an sich, die sie nicht wahrhaben will…

6.99€Preis:
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InfoISBN 978-3-940791-06-1
 
Léontine Mandela (Autorin)
André Linke (Co-Autorin)
Rocktuete (Illustratorin)
 
Titel: alias Cynthia
keine Hierachie oder Reihe
Release: 1. Aufl. März 2010 (lieferbar)
Format: 12,5 x 17,6 cm
Umfang: 140 Seiten s/w
Klassifikation: Taschenbuch, Novel
Genre: Thriller, Mystery, Spannung
Zielgruppe: Jugendliche, junge Erwachsene
   
Leseprobe

01.12.

Sie ist tot. Meine Tante, die Frau, bei der ich jahrelang, fast jahrzehntelang, gelebt habe, die zu mir war wie eine Mutter, ist tot. Immer wieder muss ich an früher denken.
Ich habe ein altes Video meiner Taufe im Kopf, das mein Vater gefilmt hat, darauf ist sie zu sehen. Ich bin ein des­interessiertes Baby, das herumgereicht wird. Sie ist eine umwerfende Frau, die in die Kamera winkt und dann einen Stuhl umwirft. Sie trägt einen albernen Hut aus ihrem Kostümverleih. Den hat sie, seit es mich gibt. Den hat sie sogar schon viel länger: den Hut und den Kostüm­verleih. Beide.
Sie hat immer schon in Altenau gewohnt. Jahraus, jahrein. Sie hatte es nicht so mit dem Reisen. Meinen Cousin drängte es schon früh aus dem Kaff hinaus. Sie nicht. Sie ist geblieben, auch als sie den Blick aus ihrem Wohnzimmerfenster auf die grüne Wiese nicht mehr ertragen konnte.
Sie war konservativ und trug trotzdem Netzstrümpfe und alberne Hüte. Sie war etwas Besonderes. Ich vermisse sie schrecklich. Ohne sie wirkt das Städtchen trotz der fast 2000 Einwohner verlassen. Ich sitze in dem unerträglich quadratischen Wohnzimmer und blicke auf die unvergänglich wirkende grüne Wiese. Und ich entscheide: Ich muss hier raus!

02.12.

Nach dieser wochenlangen Trauer mit einem fahlen Gesicht und in schwarzen Sachen begreife ich, dass es irgendwie weitergehen muss. Und deshalb muss ich aus Altenau heraus. Was hält mich hier schon? Jakob bestimmt nicht. Damit, liebes Tagebuch, verschone ich dich. Du bist ein viel zu hübsches Buch für so hässliche Geschichten. Jeder andere findet die Geschichte unspektakulär, sie kommt in jeder billigen Daily Soap vor, aber trotzdem…
Manchmal habe ich mit Tante E „Denk fix“ gespielt. Und wenn eine Frage kam wie „Was ist Liebe?“ und der Buchstabe „S“, dann sagte sie wie aus der Pistole geschossen: „Schwachsinn.“ Und auf „Eine Krankheit mit ,L‘ “: „Liebe.“
Ich werde bestimmt so wie sie, nur verbitterter, weil ich keine Kinder haben werde, die mir das Leben versüßen, während sie es mir schwerer machen.

Ich suche nach Zugverbindungen. Wohin mit mir? Ich habe wenige Verwandte und keine Verwandten, die ich mag – bis auf…
David wird nicht sehr begeistert sein, wenn seine Cousine bei ihm auftaucht.
Er war nicht bei der Beerdigung seiner eigenen Mutter, wahrscheinlich weil er Beerdigungen verabscheut, aber wer mag die schon?
Tante E hat sich um uns gekümmert, ich habe mich um Tante E gekümmert, nun kann er sich doch um mich kümmern oder ich mich um ihn, je nachdem wie fertig er nach ihrem Tod ist… Früher waren wir unzertrennlich. Ob die alte Vertrautheit wieder kommt, wenn wir uns sehen? So etwas kann doch nicht verschwinden.
Ich packe einen bunten Koffer mit meinen Lieblingsklamotten und ein paar Schuhen zu viel. In eine kleine Reisetasche kommen drei Bücher, mein Laptop, eine Handvoll DVDs und Proviant. Was ich in zwei Sätzen sagen kann und so simpel klingt, entspricht in Wirklichkeit einer Packerei, die vier Stunden dauert. Ich bin das eben nicht gewohnt. Schweren Herzens lasse ich meine Kuscheltiere da, aber das alte Familienbild löse ich aus dem Rahmen und stecke es ein.

Das Taxi bringt mich aus dem Kurort Altenau, der mich nur noch quält. Wir fahren an Evas Stammbriefkasten vorbei, an dem Haus ihrer Freundin Linda, an ihrem Kostümverleih. Ich habe ein Schild mit dem Text „vorübergehend geschlossen“ aufgehängt. Ich schließe die Augen und denke an Julia Roberts, um mich abzulenken. Ich mag viele Filme mit ihr, besonders „Pretty Woman“. Schließlich bin ich in Goslar am Bahnhof und bald schon im Zug nach Hamburg, zu meinem Cousin David. Ein zartes Abenteuergefühl vermischt sich mit der Trauer und einer Prise Abschiedsschmerz. Ich denke an Jakobs unzählige Berührungen. Das bringt noch ein weiteres Gefühl in meinen Emotionscocktail.
Und dann fällt mir David wieder ein. Ob er sich nicht ein bisschen freuen wird, mich zu sehen? Hätte ich anrufen sollen? Vielleicht hätte er nein gesagt. Hoffentlich ist er nicht böse. Hoffentlich ist er nicht umgezogen.
Die Landschaft rast vorbei. Früher habe ich Zugfahren gemocht, weil ich dabei lernen konnte. Heute langweilt es mich. Es bremst mich in meinem Tatendrang. Ich möchte ankommen, meine erste Begegnung mit David nach so langer Zeit hinter mich bringen.
Der rote Nagellack von der Frau mir gegenüber blättert ab. Ihre Beine belegen den ganzen Fußraum. Wie kann man so viel Bein haben? Und wie kann man sein vieles Bein so rücksichtslos ausbreiten? Wenn die wüsste, was ich durchmache… Der Kaffee der Deutschen Bahn schmeckt widerlich.
Ich wirke trostlos auf mich. Mich selbst zu bemitleiden, weil ich scheußlichen Kaffee trinke und die mir gegenüber sitzende Dame unhöflich zu mir ist, ist besser als an Eva oder Jakob zu denken. Und doch ist da ein angenehmes Kribbeln und ich fühle mich etwas lebendiger, mehr im Leben stehend und sogar interessanter, wenn ich an unsere gemeinsamen Stunden denke. Jakob ist wie Schokolade.
Aber Schokolade mit Arsenfüllung.
Mir entfährt ein Seufzen. Nervös schlage ich die Beine übereinander. Ob jemand in meinem Abteil merkt, woran ich gerade denke? Der Herr, dessen Oberkörper bisher hinter einer Zeitung versteckt war, hat hoch geguckt, aber als ich ihn ansehe, vergräbt er sich wieder hinter einer Sensationsgeschichte. Mein Leben ist keine Sensationsgeschichte. Das Selbstmitleid meldet sich wieder. Hallo, Selbstmitleid! Schluss damit! Mein Leben bewegt sich weiter. Die Frau mir gegenüber ist ganz schön laut. Sie rückt sich laut zurecht, sie isst laut, sie guckt sogar laut aus dem Fenster, obwohl das eigentlich unmöglich ist.
Dann endlich ertönt es im Waggon: „Sehr geehrte Fahrgäste, in Kürze erreichen wir Hamburg-Altona.“ Mein Herz macht einen Sprung.
Hamburg kommt mir größer vor als letztes Mal. Wann war ich hier? Es ist lange her. Eigentlich wollte ich mit Tante E zusammen fahren, aber sie reist ja nicht so gern und hat es sich im letzten Moment anders überlegt.
David lebte damals schon in Hamburg. Ich besuchte ihn. Wir gingen kühl miteinander um oder jedenfalls kälter als früher, höflicher, wir lachten weniger, obwohl das nach ein paar Stunden Schnapstrinken zu zweit besser wurde. Wir lasen uns gegenseitig aus herumstehenden Büchern Absätze vor und spielten Memory.
David wohnt weit vom Bahnhof entfernt.
Als ich endlich vor seiner Tür stehe, klopft mein Herz. Der Briefkasten neben der Tür klappert. Was sage ich zu ihm? Ich darf nicht pietätlos fröhlich sein, weil wir uns wiedersehen. Aber zu steif und damit gekünstelt sollte ich auch nicht rüberkommen. Ich klingele unten an der Haustür. Er wohnt im zweiten Stock. Ein Surren ertönt, ohne dass er gefragt hätte, wer da ist. Vielleicht erwartet er jemanden. Und dann komme nur ich. Die Türklinke fühlt sich gut an, glatt und kühl. Wieso sinniere ich über Türklinken? – Jetzt ruhig durchatmen!
Ich steige die Treppen hoch zu seiner Wohnung. Er öffnet spät. „Hey, David.“ Ich mache den unbeholfenen Versuch, ihn zu umarmen. Er lässt es widerwillig geschehen. „Ehm, Sandra, warum hast du nicht angerufen?“
Ich will ihm nicht sagen, dass ich Angst hatte, er würde mich nicht sehen wollen.

„Sollte halt eine Überraschung sein.“
Es folgt eine unangenehme Pause, in der ich versuche, ungezwungen zu lächeln und er sich durch sein harry-potter-ähnliches Strubbelhaar fährt.
Warum hat er nicht gelernt, Konversation zu betreiben? Warum kann er nicht wenigstens fragen, wie es mir geht?
„Soll ich gehen?“, frage ich, als wir lange schwiegen.
Es klingelt an der Tür. Ah, vermutlich die Person, die er erwartet hat. Auf die er sich gefreut hat. Die ihm etwas bedeutet.
Ich sehe ihn an und will gerade etwas sagen, da erschrecke ich über seine plötzlich übertrieben aufgerissenen Augen.
„Rein in den Schrank!“, befiehlt er.
Hilflos schaut er sich um.
„Eh, was?“ War das jetzt ein Witz? „Wieso?“
„Frag nicht – mach! Los, los, los!“ Da verpasst er mir einen Schubs in Richtung Flurschrank.
Sehr herzliches Willkommen. Erst sagt er nichts und macht keinen Hehl daraus, dass er mich nicht sehen will, nun soll ich zwischen Putzeimer und Staubsauger Platz nehmen?!
Sofort schließt David von außen die Schranktür.
Mir ist ganz mulmig. Ich sehe nichts. Wieder klingelt es.
Lange halte ich es in der Dunkelheit nicht aus. Zum Glück lässt sich die Schranktür von innen öffnen. Ich gönne mir einen Spalt Licht und einen Blick auf meinen Cousin, der jetzt hektisch den Türöffner betätigt.
Dann lässt David einen unanständig muskulösen Mann in die Wohnung. Er passt gerade so durch die Tür und sieht aus, als sei er vom dritten Lebensjahr an Tag und Nacht im Fitnessstudio gewesen. Ich überlege gerade, ob Fitnessstudiobetreiber einen Dreijährigen an die Geräte lassen, wenn sie viel Geld von den Eltern dafür bekommen, da sehe ich auch eine ganze Menge Geld den Besitzer wechseln. Ich sehe, wie David dem Mann stumm Scheine in die Hand zählt. Kein Wort wechseln sie. Keine Minute dauert die Übergabe. Ich schließe die Schranktür lautlos und hocke wieder im Dunkeln. Was ist das für Geld? Was soll das? Ist David in Schwierigkeiten? Oder ist er der Kopf einer Mafiabande? Ich erschrecke darüber, dass ich ihm beides zutraue. Nicht, weil er je den Anschein gemacht hätte, dass etwas nicht stimme, sondern weil ich das Gefühl habe, dass er ein komplett anderer Mensch geworden ist.

Als der Mann fort ist, erschlafft Davids Körper, als würde Anspannung von ihm abfallen. Vielleicht hatte er Angst, der Muskelmann würde ihn verprügeln?!
Unaufgefordert klettere ich aus dem Schrank.
Jetzt muss er mir Rede und Antwort stehen! Ich will alles wissen.

„Wer war der Kerl?“, frage ich direkt und laut. „Wofür hast du ihn bezahlt? Was soll das?“
David unterbricht meinen Fragenkatalog, indem er die Hände hochhebt und mich mit strenger Stimme fragt: „Sandra, was willst du hier?“

„Naja –“ Ich bin zu durcheinander von dem Geschehenen. „Ich will wissen, was das eben sollte. Du siehst mich nach einer Ewigkeit wieder und dann versteckst du mich im Putzschrank? Kennst du keine Manieren mehr?
Ich sage dir, warum ich hier bin. Ich bin hier, weil ich niemanden mehr habe.“

„Wir müssen alle damit fertig werden.“ David zeigt keine Spur von Mitleid. Wo ist der sympathische Junge hin? Der Umgang mit Hamburger Muskelprotzen bekommt ihm wenig.
„Es ist spät. Ich suche dir ein Hotel. Morgen früh fährst du wieder.“

So unfassbar ich die ganze Sache finde, ich weiß nichts zu entgegnen. Ich merke, dass ich gerne seine Zuneigung erzwingen würde, dass ich um einen Menschen buhlen will, der mir gegenüber gefühllos ist. Das ist ein verbreitetes Phänomen: Man möchte gern die Liebe derer, die einen wie Dreck behandeln. Natürlich fällt mir an dieser Stelle Jakob ein.
„Lass mich doch hier schlafen!“ Ich versuche es sachlich zu sagen, so als sei das die einzig pragmatische Lösung.
„Meine Wohnung ist zu klein“, bemerkt er. „Ich brauche Rückzugsraum“, zitiert er dann noch wie aus einem Hobbypsychologiebuch.
David wählt die Nummer eines Hotels.

Das Hotelzimmer ist klein und ungemütlich. Ich werfe mich auf das Bett und fühle mich allein gelassen. Mein Gefühlschaos ist wieder da: Trauer wegen Tante E. Sehnsucht wegen Jakob. Verwirrung wegen David. Angst wegen des Muskelmannes.

03.12.

Entschlossen marschiere ich am nächsten Tag erneut zu Davids Wohnung. Energisch klingele ich an der Tür.
Wieder fragt er nicht nach, wer unten steht, als er den Türöffner betätigt.
Als er mich sieht, lächelt er. Ich bin mir sicher, er nimmt an, ich will mich herzlich verabschieden. Ich werde ihn enttäuschen müssen.
„David… Ich habe nicht vor, zu gehen.“
Er wird etwas blass um die Nasenspitze. Sagt kein Wort. “Ich liebe Hamburg eben”, sage ich grimmig. “Wer will hier schon weg?” Um zu provozieren, zähle ich auf: „Michel, Alster, Kiez.“ Er wirkt, als habe er eine Menge Argumente für meine Abreise vorzubringen.
„Ich werde mich nicht um dich kümmern können“, sagt er.
„Macht nichts“, meine ich und denke: Ich werde mich um dich kümmern.
Ich bekomme Lust, Davids Leichen im Keller zu finden und gleichzeitig im Superheldenkostüm sein Leben zu retten. Wieder überschlagen sich meine Gedanken: Ist er Täter, Opfer oder ging es gestern nur um eine Gefälligkeit unter Freunden? Ich weiß, dass ich mich nicht als Sherlock Sandra Holmes aufspielen sollte.
Das ist doch Davids Sache und er kommt seit Jahren allein klar.
Der Abschied ist ähnlich frostig wie gestern. Frierend fahre ich in mein Hotel.
Das Zimmermädchen war da. Sie hat meine Sachen umgeräumt.
Es wird dunkel. Ich vermisse den alten David und Jakob, an den ich eigentlich nicht mehr denken wollte.

Ich beginne einen Brief an David zu schreiben.
1. Versuch: zu wütend.
2. Versuch: sentimental.
3. Versuch: unleserlich.
4. Versuch: Eine Abhandlung über Zeugenschutzprogramme und ein Aufsatz über die Bestrafung von Mördern und Totschlägern.

Die Endfassung: Ich zeige ihm für jeden denkbaren Fall seine Möglichkeiten auf. Befriedigt, zumindest in diesem Sinne, schlafe ich ein.

04.12.

Ich habe davon geträumt, dass Jakob mich fest umschlungen hält, und von David, der mich aus seinen Armen reißt.

Ich quetsche den Brief in Davids Briefkasten.
Schräg gegenüber ist ein kleiner Kiosk. Als ich mich mit Kaugummi eingedeckt habe, riskiere ich einen Blick zu Davids Haus. Vielleicht sehe ich, wie er den Brief holt. Nein, ich sehe jemand anderen den Brief aus dem Kasten klauben, mit einer, ich trete vorsichtig näher, Grillzange. Er sieht kräftig aus, er könnte mich glatt umpusten, ähnlich wie Muskelmann. Anscheinend werden solche Männer in dieser Gegend gezüchtet.
Ich habe mir diese krimiähnlichen Zustände also nicht eingebildet. Habe ich David jetzt noch mehr in Gefahr gebracht oder – mich selbst?
Ein bisschen skurril ist diese Sache ja schon: Die Cousine beobachtet, wie ein fremder Mann mit einer Grillzange ihren Brief aus dem Briefkasten ihres Cousins zieht.
Ich wünschte, ich hätte es mir nur ausgedacht.

Ich (die, die alles schlimmer gemacht hat) bin wieder im Hotel. Nicht zu wissen, was los ist, ist ein furchtbares Gefühl. Habe mehrere Kilometer in meinem Hotelzimmer zurückgelegt. Da fällt mir ein, dass man mich vielleicht sucht. Es kann doch sein, dass der Grillzangenmann den Brief gelesen hat und jetzt denkt, ich würde mich einmischen und Dinge in Erfahrung bringen, die geheim bleiben müssen. Es könnte eine Paranoia sein, hervorgerufen durch den regelmäßigen Konsum von Hollywoodstreifen mit Adrenalinsteigerungseffekt, aber darauf lasse ich es nicht ankommen. Ein neues Hotel muss her. Ich werde auf den Kiez ziehen. Da wohnen lauter komische Leute, unter denen ich bestimmt nicht auffalle.

In den Schaufenstern Perücken, Peitschen und Dessous. Ich denke an Tante Es Kostümverleih. Und natürlich an Jakob.
Mein neues Hotel hat eine Bar und einen schmierigen Portier. Ich gebe einen anderen Namen an, damit meine Paranoia sich freut.
Ich spüre wieder Nervenkitzel. Außerdem Angst und Angst davor, dass ich übertreibe. „Ja, ein Nichtraucherzimmer.“
Der Portier hat graue abstehende Haare und er schmatzt beim Reden. Mein Zimmer ist bescheiden, aber sauber.

An der Wand hängt ein Portrait von einer Frau mit langer Zigarettenspitze. – Eine Raucherin im Nichtraucherzimmer. Irgendetwas finde ich daran witzig.
Die Frau auf dem Bild wirkt mondän, als hätte sie ein bedeutendes Leben. Ich fühle mich klein trotz meiner 1,73 m.
In dieser Nacht kann ich kaum schlafen. Ich denke daran, wie sehr ich an David hänge.
Als meine Eltern starben, kam ich zu Davids Mutter. Dann wurde David geboren und ich war so glücklich über einen „Bruder“.
Ich schleppte ihn durch das Haus und zog ihm Puppenkleider an. Kein Wunder, dass er Vorbehalte gegen mich hat.

Er hat mich manchmal so angesehen, als wären wir Verschwörer. Aber das ist egal. Jetzt kann er nur noch kalt vor sich hinstarren. Ich fasse den Entschluss, mir Sachen aus dem Kostümverleih aus Altenau schicken zu lassen. Für den Fall, dass ich mich verkleiden will, um nicht erkannt zu werden. Lachhaft, ich kleines Mädchen gegen diese unbekannten Grillzangenmänner. Wer immer sie sind.
Ich könnte einfach die Polizei informieren. Aber ich traue mich nicht. Entweder sie lachen, weil eine Geldübergabe in einer Wohnung nicht so außergewöhnlich ist. Oder sie nehmen es ernst, aber irgendwie bekommen die Grillzangenmänner Wind davon und machen David für die Aktionen seiner Cousine verantwortlich und liquidieren ihn. Rosige Aussichten!

06.12.

4:11 Uhr: Ich kann nicht schlafen. Mit meinem fast neuen Apple google ich David. Denke ich etwa, dass bei Wikipedia seine kriminelle Vergangenheit zu finden ist?
5:33 Uhr: Wieder und immer noch allein mit meinen Gedanken. Einmal war ich mit Jakob an einem See um 5:30 Uhr. Ich mag es, wenn er die Innenseite meiner Arme streichelt.
Ob der schmierige Portier mal eine Geliebte hatte? Vielleicht war er ja früher gar nicht schmierig?!
Ich denke zu oft an ihn. Nein, nicht an den Portier. An Jakob.

Nikolaus war für uns früher ein besonderer Tag, ein Familientag, mit Schokolade in Stiefeln, mit Spielen und Verkleidungen aus dem Kostümverleih. Das gehörte alles zu Nikolaus dazu. Deshalb fallen mir heute die vergnügten Menschen auf der Straße besonders auf.

Ich fühle mich allein. Jakob hat nicht fröhlichen Nikolaus per SMS gewünscht, vermutlich weil für die ganze restliche Welt Nikolaus nichts Besonderes ist. Aber er wird mir auch nicht zu Weihnachten schreiben. Und wenn ich mal im Krankenhaus bin, wird er mir auch keine Genesungswünsche schicken.
Es kostet doch fast nichts, einen frohen Nikolaus zu wünschen, oder? Es kostet maximal 19 Cent, mehr nicht.
Mir kommt der Gedanke, dass David tot sein könnte, ermordet mit einer Grillzange. Ich kann schwarzhumorig sein. Und ich male mir ständig solche Szenarien aus. Ich kann nichts dagegen tun. Als Tante E einmal aus dem Zoo später nach Hause gekommen ist als verabredet, habe ich mir vorgestellt, wie sie aus Versehen ins Wolfsgehege fällt und verspeist wird.

Wie wird Weihnachten erst werden, wenn Nikolaus mir jetzt schon so trostlos erscheint? Eva ist tot. Weihnachten ist tot. Als Kind soll ich Weihmann zum Weihnachtsmann gesagt haben. Fällt mir gerade so ein. Diese unbeschwerte Zeit fehlt mir.
Demnächst werde ich mir die Kostüme aus dem Verleih schicken lassen.

Abends steige ich die quietschenden Stufen zum Eingangsbereich hinunter, gehe am schmierigen Portier vorbei durch eine Glastür in die Hotelbar. Man muss ja auch mal rauskommen. Und ständig die Minibar leer zu futtern und zu trinken ist armselig.

An der Bar ein Mann. Eva würde ihn „adrett“ nennen. Ich sage „süß“. So ein bisschen wie George Clooney.
Er lächelt mich an. Ich fühle mich schlagartig schön. Wie jämmerlich! „Was trinken Sie?“, fragt er.
“Cosmopolitan!” – wie Carrie aus „Sex and the city“. Ich habe keinen eigenen Geschmack. Ich gucke ab.
„Wie heißen Sie?“ will er von mir wissen.
„S…S…S…Cynthia.“ Diesen Vornamen habe ich auch dem schmierigen Portier gegenüber angegeben.
„Ich bin Patrick.“
„Hi.“
„Hi.“
„Kommen Sie von hier?“, frage ich.
„Jo“, die Antwort.
Ich mustere ihn weiter: Er ist sicher zehn Jahre älter als ich.
„Was machen Sie so?“, fragt er.
Aus Versehen hauche ich mehr als ich spreche: „Geschäfte.“

Um Mitternacht bin ich im Bett. Er wirkte interessiert, sympathisch, vielleicht bin ich doch nicht so unfähig, Kontakte zu knüpfen.
Das wurde mir bereits in der Grundschule von meiner Klassenlehrerin attestiert. Ha! Fr. Moor, ich habe einen Kontakt geknüpft mit George Clooney. Ha!


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